Kampfmittelsondierung in der Kieler Förde: Nächster Schritt für Großwärmepumpen
Nach den laufenden Untersuchungen an Land weiten die Stadtwerke Kiel die Kampfmittelsondierung nun auch auf die Kieler Förde aus. Im Fokus steht dabei der erweiterte Bereich vor dem Küstenkraftwerk, wo künftig die Wasserentnahme für die geplanten Großwärmepumpen erfolgen soll. Ziel ist es, den Meeresgrund in diesem Abschnitt systematisch auf mögliche Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg zu prüfen und damit eine sichere Grundlage für die weitere Projektentwicklung zu schaffen.„Die Untersuchungen im Wasser sind der nächste Schritt auf unserem Weg zu einer klimaneutralen Fernwärmeversorgung. Die Großwärmepumpen werden künftig Umweltwärme aus der Förde nutzen, um unser Fernwärmewasser zu erhitzen. Umso wichtiger ist es, auch im Unterwasserbereich höchste Sicherheitsstandards einzuhalten“, erklärt Dr. Jörg Teupen, Vorstand Technik und Personal der Stadtwerke Kiel AG.
Die Kieler Förde gilt als historisch belastet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden große Mengen an Munition im Meer versenkt; bis heute befinden sich dort zahlreiche Altlasten auf dem Meeresboden. Entsprechend sorgfältig wird die Sondierung vorbereitet und durchgeführt.
Die von der EGGERS Kampfmittelbergung durchgeführten Arbeiten erfolgen mehrstufig: Zunächst wird die Wasseroberfläche beziehungsweise der Meeresboden aus der Distanz untersucht. Dabei kommen unter anderem Sonartechnik und ferngesteuerte Systeme zum Einsatz, um Auffälligkeiten und mögliche Verdachtspunkte zu identifizieren. Solche Verfahren ermöglichen eine großflächige und präzise Erfassung von Objekten auf und unter dem Sediment.
Im nächsten Schritt werden identifizierte Verdachtsstellen gezielt überprüft. Hier kommen speziell ausgebildete Taucher zum Einsatz, die die Objekte vor Ort begutachten und – sofern erforderlich – weitere Maßnahmen einleiten. Auch unter Wasser gelten dabei strenge Sicherheitsvorkehrungen und abgestimmte Abläufe mit den zuständigen Behörden.
Bestätigt sich der Verdacht auf Kampfmittel, übernehmen Fachkräfte die Bergung oder Sicherung der Funde. Die Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Kampfmittelräumdienst des Landes Schleswig-Holstein, der für die Beseitigung von Munition an Land und in Küstengewässern zuständig ist. Für die Bevölkerung sowie für den Schiffsverkehr besteht keine Gefährdung.
Die Unterwassersondierung ergänzt die bereits laufenden Arbeiten auf dem Kraftwerksgelände. Dort untersuchen die Stadtwerke Kiel derzeit eine mehrere Hektar große Fläche, um die Voraussetzungen für den Bau von zwei Großwärmepumpen und eines Wärmespeichers zu schaffen. Künftig sollen die geplanten Anlagen mit einer Leistung von rund 100 Megawatt einen zentralen Beitrag zur klimaneutralen Fernwärmeerzeugung leisten.
Die Nutzung von Fördewasser ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Konzepts: Großwärmepumpen entziehen dem Wasser Umweltwärme und heben diese auf ein nutzbares Temperaturniveau für das Fernwärmenetz an. Damit wird ein erheblicher Teil der Wärmeversorgung unabhängig von fossilen Energieträgern.
„Mit der Sondierung im Wasser stellen wir sicher, dass auch dieser Projektabschnitt auf einem soliden und sicheren Fundament steht. Die gründliche Untersuchung des Untergrunds – an Land wie im Wasser – ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende in Kiel“, so Teupen.
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