Kampfmittelsondierung für geplante Großwärmepumpen: Nächster Schritt für klimaschonende Fernwärme
Das ehemalige Gelände des abgerissenen Kohlekraftwerks präsentiert sich derzeit als eine urzeitlich anmutende Hügellandschaft: Erdhügel, freigelegte Bodenschichten und schweres Gerät prägen aktuell das Bild. Der Grund dafür sind umfangreiche Arbeiten zur Kampfmittelsondierung und räumung. Auf einer Fläche von rund drei Hektar wird das Areal derzeit systematisch nach Kampfmitteln aus vergangenen Kriegszeiten untersucht.„Die Kampfmittelsondierung ist ein notwendiger Schritt für einen weiteren Baustein unseres Kurses in Richtung Klimaneutralität. Ziel ist, das Gelände für den geplanten Bau von zwei Großwärmepumpen sowie eines Wärmespeichers vorzubereiten. Die beiden Großwärmepumpen sollen perspektivisch eine Leistung von insgesamt 100 Megawatt liefern und damit einen wesentlichen Beitrag zur klimaneutralen Fernwärmeversorgung in Kiel leisten“, teilt Dr. Jörg Teupen, Vorstand Technik und Personal der Stadtwerke Kiel AG, mit.
Die Untersuchung des Areals neben dem Küstenkraftwerk erfolgt mehrstufig und mit hohem technischem Aufwand. Zunächst werden historische Luftbilder und Archivmaterial ausgewertet, um mögliche Belastungsschwerpunkte zu identifizieren. Verdachtsstellen werden markiert und im nächsten Schritt vorsichtig freigelegt.
Bestätigt sich ein Verdacht, übernehmen speziell ausgebildete Fachkräfte die Bergung und gegebenenfalls eine notwendige Entschärfung der Kampfmittel. Für diese Arbeiten stehen auf dem Gelände entsprechende Räumfahrzeuge, Bagger sowie Sicherungseinrichtungen bereit. Während der laufenden Maßnahmen gelten selbstverständlich umfassende Sicherheitsvorkehrungen.
„Uns war von Beginn an bewusst, dass auf dem Gelände mit Kampfmitteln zu rechnen ist. Denn bereits auf dem Küstenkraftwerksgelände wurden während der damaligen Sondierung über neun Tonnen Kampfmittel geborgen. Bislang wurden auf dem aktuellen Räumungsareal unter anderem über 2.000 Stück Klein- und Kleinstmunition entdeckt. Die Arbeiten verlaufen planmäßig und in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden. Für die Bevölkerung geht keinerlei Gefährdung aus“, beschreibt Teupen.
Neben den Großwärmepumpen ist auf dem Gelände auch der Bau eines Wärmespeichers vorgesehen. Dieser ermöglicht es, die Erzeugung von Wärme zeitlich vom Verbrauch zu entkoppeln und erhöht damit die Flexibilität und Effizienz der Fernwärmeversorgung. Insbesondere in Kombination mit den Großwärmepumpen trägt der Speicher dazu bei, erneuerbare Wärme optimal zu nutzen.
Die Kampfmittelräumung, bei der rund 75.000 Kubikmeter Boden sondiert wird, soll nach aktueller Planung bis Ende des Sommers abgeschlossen sein. Anschließend können die weiteren vorbereitenden Maßnahmen für den geplanten Anlagenbau beginnen. Die Inbetriebnahme der beiden Großwärmepumpen ist derzeit für Ende 2030 vorgesehen.
Mit dem Projekt wird ein weiterer wichtiger Schritt für die nachhaltige und klimaneutrale Wärmeversorgung der Stadtwerke Kiel umgesetzt – sicher vorbereitet durch gründliche Arbeit im Untergrund.
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