04.03.2009:
Stadtwerke sanieren Fördetunnel
Die Stadtwerke Kiel haben mit der Sanierung ihres Versorgungstunnels unter der Kieler Förde begonnen. Bei Kontrollen in dem 1.400 Meter langen Schacht waren vor rund einem Jahr erste Hinweise auf Schäden an den Betonwänden festgestellt worden. Die Arbeiten sollen bis zum Herbst abgeschlossen sein. Die Kosten betragen rund 16 Millionen Euro. Auch während der Instandsetzung ist die Versorgung mit Fernwärme durchgängig gesichert. "Durch unsere Heizwerke auf dem Westufer und eine Fernwärmeleitung auf dem Ostufer können alle Kunden jederzeit zuverlässig versorgt werden", sagt Roger Mayer, Geschäftsführer der Stadtwerke Kiel Erzeugung GmbH.

Der 1992 errichtete Tunnel bildet - neben dem Schwentinetunnel und der Verbindung unterhalb der Gablenzbrücke - das Leitungsnetz vom Gemeinschaftskraftwerk zu den Fernwärmekunden auf dem Kieler Westufer. Insgesamt versorgen die Stadtwerke rund 60.000 Haushalte und Betriebe mit Fernwärme.

Der Schacht des Fördetunnels beginnt auf dem Ostufer direkt neben dem Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) und endet auf der Westseite am Rand des Düsternbrooker Gehölzes. Er setzt sich aus 453 Segmenten mit einem Innendurchmesser von gut vier Metern zusammen. An seinem tiefsten Punkt liegt der Tunnel 38 Meter unter dem Wasserspiegel. Das unterirdische Bauwerk ist der erste Großtunnel, der im deutschen Küstenraum unterhalb eines Meeresgewässers errichtet wurde. Stadtwerke Kiel und e.on Kraftwerke haben damals 38 Millionen DM in den Bau investiert.

Dass die Tunnelwände bereits 20 Jahre nach dem Baubeginn porös geworden sind, ist auf eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion zurückzuführen - eine chemische Reaktion zwischen dem damals verwendeten Zuschlagsstoffen im Beton und dem ihn umgebenden salzhaltigen Meeresboden.

Im Rahmen der Sanierung wird der Tunnel jetzt mit Rohren mit einer Wandstärke von 35 Zentimetern komplett ausgekleidet. Hierfür wird die alte Tunnelröhre zunächst von innen mit einer wasserundurchlässigen Dichtung ausgekleidet.

Dann werden nach und nach 453 Rohrsegmente mit einem Gewicht von jeweils 31 Tonnen in den Tunnel eingelassen und über ein Schienensystem vorangeschoben. Der etwa zehn Zentimeter breite Hohlraum zwischen alter und neuer Röhre wird anschließend mit Beton gefüllt. Vorteil dieses Vorgehens: Sowohl die beiden den Tunnel durchlaufenden und noch intakten Fernwärmeleitungen als auch das dort verlegte Hochspannungskabel müssen nicht erneuert werden und können während der Arbeiten im Tunnel verbleiben. Die neuen Segmente werden um die Versorgungsleitungen herum im Tunnel vorangeschoben.

Die Sanierung wird im Rahmen eines Projektes mit den Partnern Stadtwerke Kiel, E.ON Kraftwerke und das Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) durchgeführt. Mit Hilfe einer Versuchsanlage in unmittelbarer Nähe des Schachtes auf dem Ostufer proben die beteiligten, im Tunnelbau erfahrenen Firmen Porr und das Konsortium EHS-Laabmayer derzeit das Einschieben der Rohre in den Tunnel. Anfang April beginnt dann die eigentliche Sanierung. Alle Betonsegmente werden vom Ostufer aus in den Schacht eingelassen.

Die neuen Rohre werden im Ruhrgebiet aus wasserundurchlässigem Spezialbeton gefertigt und mit Schiffen im Ostuferhafen angeliefert. Bis zu 50 Segmente lassen sich so mit einer Ladung nach Kiel transportieren. Zum Vergleich: Beim Transport der Rohre über den Landweg wären 453 Lkw-Fahrten erforderlich. Aber auch auf dem Ostufer soll der Straßenverkehr nicht behindert werden: Vor Ort erreichen die Segmente auf einer eigens angelegten Baustraße über das Gelände des GKK die Tunnelbaustelle.

Die Mängel an den Tunnelwänden waren in den vergangenen zwei Jahren auch Gegenstand einer Klage am Landgericht Hannover: Die Gemeinschaftskraftwerk Kiel GmbH hatte Schadenersatz vom Erbauer des Tunnels gefordert, der dem Bauwerk seinerzeit eine Lebensdauer von hundert Jahren bestätigt hatte. Beteiligt waren vier Firmen, die sich in der "Arbeitsgemeinschaft Fördetunnel Kiel" zusammengeschlossen hatten. Die gerichtliche Durchsetzung der Gewährleistungsansprüche der Arbeitsgemeinschaft ist zwischenzeitlich gescheitert.